Fleissiger Herbst in den Schweizer Alpen!
25.10.07
Herbstzeit. Hoch über dem Vispertal, auf 1500 m ü. M. rattern im 500-Seelen-Dorf Törbel im Oberwallis die Nähmaschinen auf Hochtouren. In einer Sattlerei, wo bis vor kurzem noch Glockenriemen, Pferdezaumzeug und Gürtel – vorwiegend für die Schweizer Armee – hergestellt wurden, schieben 11 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Überstunden, um die vielen vom Handel vorliegenden Bestellungen zu erfüllen. Mit der “Swiss Army Recycling Collection” liefern sie ein Stück Schweizer Geschichte in aller Herren Länder. Wohnaccessoires, Rucksäcke, Aktentaschen, Bauchtaschen, Messenger Bags, Einkaufstaschen, Bodybags, Brillenetuis und Portemonnaies – auf über 50 verschiedene Modelle ist die Kollektion inzwischen angewachsen. Ein jedes Stück wird liebevoll von Hand gefertigt.
Der Stoff, aus dem die Träume sind: Basismaterial der Kollektion sind die handgefilzten Wolldecken der Schweizer Armee, die seit 1969 in den Zeughäusern des Militärs schlummerten. Kratzig, grob, bräunlich-grau, längst eingemottet und fast vergessen, steigen sie, ebenso wie ausgediente lederne Gewehrriemen und Leibgürtel, wie Phönix aus der Asche und feiern in der Sattlerei von Titus Karlen ihre Wiederauferstehung als hochmodisches Accessoire. Ob mit Tragegurt oder Henkel, als Rucksack mit stabilen Trageriemen oder als Agenda mit aktuellem Kalendarium – die Sattlerei in Törbel praktiziert Recycling auf trendige Art. Das weiße Kreuz auf rotem Grund, bei den nobleren Modellen eingewebt in den braungrauen Wollstoff, bei den kleineren Artikeln aufgenäht, ist dabei das gemeinsame Markenzeichen. Wer allerdings glaubt, dass Swiss-Design der Wolldecken-Produkte aus Törbel finde nur bei patriotischen Schweizerinnen und Schweizern Gefallen, hat weit gefehlt: Die “Swiss Army Recycling Collection” findet in Japan reißenden Absatz, ist in Deutschland und sogar in Österreich und in Skandinavien sehr stark gefragt. Die USA zeigen seit Kurzem ebenfalls Interesse an den trendigen Stücken. Aus London kam jüngst eine Bestellung von einer der führenden Investmentbanken, die – da Karlen sich ganz kurzfristig bereit erklärte, eine Lieferung von 50 Taschen-Unikaten in Nachtschichten zu bewerkstelligen – binnen 10 Tagen im Londoner City Square eintrafen. Auch der bei dem Londoner Finanzwelt-Symposium als Redner anwesende, frühere russische Präsident Gorbatschow war Zeuge, als die geladenen internationalen Top-Kunden zu ihrer großen Freude ein sehr individuelles Präsent aus den schweizer Bergen überreicht bekamen. Einhellige Begeisterung entfachte die Feststellung, dass jede Tasche ihren ureigenen Charakter besitzt. Grundvoraussetzung für einen Besitzerstolz, den kein noch so teures Stück von den Pariser Champs Elysées zu vermitteln vermag.
Normalerweise geht es in Törbel aber sehr beschaulich zu. Und so kommt es, dass die Fachhändler gerne 5-6 Monate auf ihre Bestellung warten. Für in Handarbeit hergestellte Qualitätsware gilt heute wie früher “gut Ding will Weile haben”, denn nur ein sorgfältig hergestelltes Produkt erzeugt auf lange Sicht erfreute Gesichter.
Auch denkt der weit über 70-jährige Titus Karlen nicht daran, die Produktion seiner Kollektion auszulagern um der ständig steigenden Nachfrage gerecht zu werden. “Nein, auf keinen Fall”, sagt er bestimmt, denn die Handarbeit und der Recyclinggedanke ist nach wie vor zentraler Punkt und Qualitätsmerkmal seiner Produkte: “Massenware zu produzieren kommt nicht in Frage!”. Außerdem sei jedes Stück der Kollektion ein eigentliches Einzelstück. Jede Decke habe ihre Geschichte, jeder Gürtel und Riemen ebenso: “Es gibt wohl keinen Frauennamen, den wir nicht schon auf die Tragriemen geschrieben oder geritzt gefunden haben” schmunzelt der Sattler.
Seit dem Sommer war Karlen damit beschäftigt, die umfangreiche Bestellung von Fair-kaeuflich.DE zu produzieren. Vor ein Tagen war es dann soweit, die Lieferung aus dem Wallis traf ein.
Wenn Sie nun noch mehr Lust verspüren, ein solches Kleinod Ihr Eigen nennen zu wollen oder ein besonderes Weihnachtsgeschenk suchen … wie in den letzten Jahren auch, lautet die Devise: “Früher Vogel fängt den Wurm!”
Noch sind wir gut sortiert, erfahrungsgemäß kommt es aber bereits im November zu ersten Engpässen. Die gesamte Swiss Army Recycling Kollektion ist hier zu sehen und zu bestellen.
Wir sehen uns, Euer & Ihr Ingo
Nachtrag: In ihrer Ausgabe vom 10.1.08 berichtet die Süddeutsche Zeitung über “Das Kreuz mit der Mode“. Gerne haben wir unser Foto für den sehr interessanten Artikel zur Verfügung gestellt.

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